Analysepapier zu den Herausforderungen im Rehabilitationssystem für Menschen mit Sehbehinderung

Experteneinschätzungen und Empfehlungen von Anbietern spezialisierter Leistungen. Patronum Foundation, 2026.

Die Studie wurde von der Analyseabteilung der Patronum Foundation im Rahmen des UNDP-Projekts „Unterstützung eines inklusiven Wiederaufbaus zur Gewährleistung von Resilienz und Sicherheit der Menschen in der Ukraine“ erstellt. Die in dieser Publikation dargelegten Experteneinschätzungen und Empfehlungen stellen keine offizielle Position des Autorenteams dar und geben nicht notwendigerweise die Position von UNDP und der Staatlichen Rehabilitationseinrichtung „Zentrum für komplexe Rehabilitation für Menschen mit Behinderungen ‚Podillja‘“ wieder.

Problemstellung und Ziel der Studie

Die großangelegte Invasion hat die Zahl der Verletzungen erhöht, darunter auch der Verletzungen der Augen. Dadurch ist der Bedarf an zugänglichen und verständlichen Rehabilitationswegen erheblich gestiegen. Das verschärft das Problem für Zivilpersonen sowie Veteraninnen und Veteranen mit Sehverlust, die in abgelegenen Regionen leben oder keine Angehörigen haben, die ihnen helfen und sie zum Ort der Rehabilitation begleiten können.

Weder die Fachkräfte in Krankenhäusern noch Menschen, die vor Kurzem ihr Sehvermögen verloren haben, verfügen über systematisierte Informationen zu den vorhandenen Leistungen für blinde Menschen (welche Leistungen es genau gibt, wer sie erbringt, in welcher Phase und wie man sie erhält). Der Grund dafür ist, dass solche Leistungen in der Ukraine historisch nicht Teil des medizinischen Systems waren – eine Besonderheit, die nur die Ukraine und andere postsowjetische Länder betrifft. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, zugängliche Instrumente für die Suche nach Anbietern zu schaffen, die dabei helfen können, den Alltag an die neue Situation anzupassen, die persönliche Mobilität und Selbstständigkeit wiederherzustellen, die selbstständige Nutzung digitaler Technologien und Kommunikationsmittel zu erlernen und spezialisierte psychologische Unterstützung zu erhalten.

Aus dieser Problemlage ergibt sich die Notwendigkeit, die Meinungen und Empfehlungen von Anbietern von Rehabilitationsleistungen für Menschen mit Sehbehinderung als Fachleute für das Rehabilitationssystem zu untersuchen, um die zentralen Herausforderungen sowie wirksame Interventionen zur Verbesserung des Zugangs zu den Leistungen und ihrer Qualität rasch zu ermitteln.

Ziel der Studie

Ermittlung der zentralen Herausforderungen im Rehabilitationssystem für Menschen mit Sehbehinderung, die von Anbietern spezialisierter Rehabilitationsleistungen genannt wurden. Die Ergebnisse können für die Planung einer wirksamen öffentlichen Politik zur Rehabilitation von Menschen mit Sehbehinderung genutzt werden, insbesondere in Regionen, in denen es keine solchen Anbieter gibt.

Informationen zur Studie

Methoden der Suche nach Befragten und der Datenerhebung

  • Suche nach Organisationen in allen Oblasten der Ukraine in offenen Quellen, insbesondere auf den Websites staatlicher Einrichtungen und von Organisationen, in sozialen Netzwerken und über die Websuche;
  • Anfragen an staatliche Einrichtungen;
  • Gewinnung von Befragten nach dem „Schneeball“-Verfahren, um die Liste der Anbieter zu erweitern und angrenzende Dienste zu ermitteln;
  • halbstrukturierte Tiefeninterviews mit Organisationen, die Anbieter spezialisierter Rehabilitationsleistungen sind (mit Vertretungen der jeweiligen Organisation).

Interview-Stichprobe

Es wurden 98 Tiefeninterviews mit Fachleuten aus 60 Organisationen geführt, die spezialisierte Leistungen für blinde Menschen und Menschen mit hochgradiger Sehbehinderung erbringen. Nach der Art ihrer Tätigkeit gliedern sich die Befragten wie folgt:

  • 23 — Zentren, die fachspezifische Rehabilitationsleistungen für Menschen mit Sehbehinderung erbringen;
  • 26 — Initiativen / Organisationen, die Unterstützung auf informeller Basis leisten (Peer-to-Peer, „von Betroffenen für Betroffene“);
  • 3 — Organisationen, die keine Rehabilitation anbieten, aber angrenzende spezialisierte Leistungen erbringen (z. B. Auswahl assistiver Technologien, spezialisierte Rechtsberatung usw.);
  • 4 — Organisationen, die zum Abschluss der Studie noch keine Leistungen erbrachten, deren Start aber planten.

Zeitraum: Die Studie wurde im Januar 2026 durchgeführt. Durchführung: Patronum Foundation.

Rechtlicher Rahmen

Die Finanzierung und Erbringung von Rehabilitationsleistungen für Menschen mit Sehbehinderung und anderen Verletzungen wird durch mehrere Gesetze geregelt, die die Zuständigkeiten auf verschiedene Behörden verteilen, insbesondere auf das Gesundheitsministerium der Ukraine, das Ministerium für Sozialpolitik, das Ministerium für Veteranenangelegenheiten und das Ministerium für Bildung und Wissenschaft. Maßgebliche Rechtsakte in diesem Bereich sind:

Dieselben Leistungen im Sektor der nichtstaatlichen zivilgesellschaftlichen Organisationen und Wohltätigkeitsorganisationen sind überhaupt nicht geregelt, obwohl der Ukrainische Blindenverband in einigen Rechtsakten weiterhin als institutionalisierte zivilgesellschaftliche Organisation genannt wird, zum Beispiel im Gesetz der Ukraine Nr. 2464-VI „Über die Erhebung und Erfassung des einheitlichen Beitrags zur obligatorischen staatlichen Sozialversicherung“ (auf Ukrainisch) (der Verband hatte in sowjetischer Zeit historisch eine Monopolstellung bei der Erbringung von Leistungen für blinde Menschen).

So wird beispielsweise das Training einer blinden Person im Umgang mit dem weißen Langstock, das ihre Mobilität wiederherstellt, in Einrichtungen, die in den Zuständigkeitsbereich verschiedener Ministerien fallen, unterschiedlich ausgelegt. Eine solche Doppelung der Zuständigkeiten kann die Grundsätze der Rechtzeitigkeit und Kontinuität der Rehabilitation verletzen und den Weg zwischen verschiedenen Einrichtungen zersplittern, zum Beispiel zwischen einem Oblastkrankenhaus des Gesundheitsministeriums der Ukraine, einer staatlichen Rehabilitationseinrichtung des Ministeriums für Sozialpolitik, einer zivilgesellschaftlichen Organisation, die mit dem Ministerium für Veteranenangelegenheiten einen Vertrag über die Erbringung von Adaptationsleistungen für blinde Menschen geschlossen hat, und einer spezialisierten Schule des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft. Der Einfachheit halber wird in diesem Bericht der Begriff „Rehabilitation“ verwendet, der aus dem Lateinischen übersetzt wörtlich „Wiederherstellung der Fähigkeit“ bedeutet.

Zur Verfügbarkeit öffentlicher Daten und Statistiken

In der Ukraine gibt es keine veröffentlichte staatliche Statistik zur Zahl der blinden und/oder hochgradig sehbehinderten Menschen. Formal soll diese Aufgabe die „Zentrale Datenbank zu Behinderungsfragen“ (Ministerium für Sozialpolitik, Ministerium für Veteranenangelegenheiten) erfüllen. Auf Anfragen nach öffentlichen Informationen haben die genannten Ministerien jedoch keine Informationen oder nur bruchstückhafte Informationen bereitgestellt, was eine weitere Analyse unmöglich macht. Die Experteninterviews bestätigten, dass in den genannten Registern derzeit de facto keine vollständige Statistik vorliegt.

Die vollständigsten Daten lassen sich heute über das elektronische Gesundheitssystem (eHealth) gewinnen, zu dem der Nationale Gesundheitsdienst der Ukraine (NSZU) Zugang gewährt, und zwar durch den Auszug der relevanten ICD-Codes zu erstmals gestellten Diagnosen, die mit vollständigem und teilweisem Sehverlust verbunden sind. Nachfolgend sind diese statistischen Informationen für die Jahre 2021–2024 aufgeführt (Stand: 13.10.2024). Eine Anfrage nach öffentlichen Informationen an das Gesundheitsministerium der Ukraine über solche Daten für das Jahr 2025 wurde an das Zentrum für öffentliche Gesundheit des Gesundheitsministeriums der Ukraine weitergeleitet, das mitteilte, nicht über solche Informationen zu verfügen.

Seit Beginn des großangelegten Krieges, vom 24. Februar 2022 bis zum 13. Oktober 2024, erhielten 36 Tausend Menschen die Diagnose vollständiger Sehverlust, 141,5 Tausend Menschen die Diagnose teilweiser Sehverlust und 113 Tausend Personen die Diagnose Glaukom.

Von 2021 bis 2024 ist mit jedem Kriegsjahr ein steigender Trend bei der Zahl der Menschen zu beobachten, die ihr Sehvermögen vollständig oder teilweise verlieren – trotz massenhafter Emigration, sinkender Geburtenrate und kriegsbedingt steigender Sterblichkeit. Im Vergleich zu 2021 ist der Anteil der Menschen, bei denen erstmals ein vollständiger Sehverlust diagnostiziert wurde, auf das Anderthalbfache gestiegen, bei teilweisem Sehverlust nahezu auf das Doppelte.

Besonders stark ist der Anstieg im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr: Die Zahl der Menschen mit der Diagnose vollständiger Sehverlust stieg um 30 %, mit teilweisem Sehverlust um 46 %. Dies fällt zeitlich mit dem Beginn des massenhaften Einsatzes von Kamikaze-Drohnen zusammen, sowohl an der Front als auch in zivilen Gebieten im Hinterland. Im Jahr 2024 ist der Anstieg weniger stark, hält aber an.

Diagramm 1. Zahl der Menschen mit erstmals gestellter Diagnose eines vollständigen Sehverlusts (Blindheit), 2021–2024
JahrPersonen, TausendVeränderung
2021 10,3 —
2022 11,0 +6 % gegenüber 2021
2023 14,1 +30 % gegenüber 2022
2024* 16,1 +14 % gegenüber 2023
Diagramm 2. Zahl der Menschen mit erstmals gestellter Diagnose eines teilweisen Sehverlusts, 2021–2024
JahrPersonen, TausendVeränderung
2021 34,7 —
2022 39,0 +12 % gegenüber 2021
2023 57,0 +46 % gegenüber 2022
2024* 67,4 +18 % gegenüber 2023

Daten zu Diagnosen eines teilweisen Sehverlusts (Codes H53.1, H53.0, H54.2, H54.4) ohne Glaukom.

* Die Daten stammen aus dem elektronischen Gesundheitssystem (eHealth) für den Zeitraum von 2021 bis zum 13.10.2024. Die endgültige Zahl und der Prozentsatz für 2024 wurden anhand der durchschnittlichen Zahl der Menschen mit gestellter Diagnose pro Monat prognostiziert.

Herausforderungen im Rehabilitationssystem für Menschen mit Sehbehinderung in der Ukraine: Experteneinschätzungen und Empfehlungen der Anbieter

Auf Grundlage der erhaltenen Experteneinschätzungen und Empfehlungen von Anbietern von Rehabilitationsleistungen (im Folgenden „Anbieter“) wurden die am häufigsten genannten Herausforderungen ermittelt, die einer erfolgreichen Rehabilitation von Menschen mit Sehbehinderung im Wege stehen: institutionelle Herausforderungen wie der Mangel an Fachkräften, die Bewertung der Qualität ihrer Arbeit und die Finanzierung von Rehabilitationsleistungen; die Vermittlung fehlerhafter Informationen und die einführende Schulung in der akuten Phase nach der Verletzung; Barrieren beim Leben in den Gemeinden, insbesondere das Fehlen eines Weges zur beruflichen Adaptation sowie räumliche Barrieren aufgrund der geringen Qualität von Mitteln der Barrierefreiheit.

Finanzielle Instabilität als Hindernis für die kontinuierliche Erbringung von Leistungen

Als eine der zentralen Herausforderungen nannten die Anbieter eine fehlende oder instabile Finanzierung – insbesondere diejenigen, die Leistungen auf Gemeindeebene erbringen. Die Anbieter werden vom Erhalt von Fördermitteln abhängig, was eine langfristige Rehabilitationsbegleitung, das Halten von Fachkräften und damit die Nachhaltigkeit der Leistungen behindert:

Es ist schwer, eine stabile Finanzierung zu bekommen – das ist das Hauptproblem! Alles andere lässt sich lösen, aber ohne stabile Finanzierung ist es unmöglich, das Team zu halten und die kontinuierliche Erbringung der Leistungen sicherzustellen.

Eine kleine Organisation wie unsere, die lebt von Projekt zu Projekt. Ich sehe einen Nachteil in diesem, sagen wir mal, Modell, weil wir keine Stabilität haben.

Zusätzlich entsteht dadurch ein ungleicher Zugang zu Leistungen zwischen verschiedenen soziodemografischen Gruppen, weil die Zielgruppen von Förderprogrammen oder bereitgestellten staatlichen Budgets eingeschränkt sind, zum Beispiel auf Hilfe nur für Veteraninnen und Veteranen oder nur für Binnenvertriebene. So müssen Anbieter Menschen die Rehabilitation verweigern, die de facto zu ihrer Zielgruppe gehören, de jure aber nicht über die entsprechenden Nachweisdokumente verfügen.

Diejenigen, die ihre Verletzung nicht infolge des Krieges erlitten haben, verstehen nicht so richtig, wohin sie sich wenden sollen, weil der Fokus jetzt meistens auf Veteranen und Militärangehörigen liegt. Das ist jetzt ein dringendes Problem. Es sind einfach sehr viele, und diese Menschen waren ja schon... Sie kommen schon irgendwie, wenigstens ein bisschen, allein zurecht. Na ja, aber das ist doch ein Mensch, das ist eine Verletzung. Das ist erstens, verstehen Sie, man kann sie doch jetzt nicht allein zu Hause lassen.

Ein Teil der Anbieter hält die Leistungen ohne eine solche Finanzierung stabil aufrecht, indem er ehrenamtlich Hilfe leistet. Zugleich birgt dies eigene Risiken, insbesondere Hilfe von geringer Qualität aufgrund mangelnder Qualifikation oder die Einstellung von Leistungen aufgrund psychischer Erschöpfung der Ehrenamtlichen:

Sogar Freiwillige bringen Langstöcke in die Militärkrankenhäuser. Sie versuchen, es ihnen beizubringen, aber in vielen Fällen helfen sie falsch…

Die fehlende Finanzierung wirkt sich auch auf Probleme mit Räumlichkeiten und der materiell-technischen Ausstattung aus: die Beheizung, die für Veranstaltungen in der kalten Jahreszeit notwendig ist, einen barrierefreien Eingang und das Vorhandensein eines Schutzraums angesichts der Kriegslage. Fehlende Schutzräume, fehlende Heizung und fehlender Strom schränken die Möglichkeiten der Organisationen erheblich ein und zwingen sie, ihre Tätigkeit auszusetzen und keine Veranstaltungen durchzuführen.

Das Hauptproblem ist, dass es auch für irgendwelche Gruppenveranstaltungen keine sicheren Orte gibt. Die Evakuierung ist schwierig, weil es keinen Schutzraum gibt, und man muss ein paar Dutzend blinde Menschen schnell evakuieren...

Das Gebäude hat keine Heizung, es ist nichts da, wovon man heizen könnte.

Seit 2002 gewährte der Staat der gesamtukrainischen zivilgesellschaftlichen Organisation „Ukrainischer Blindenverband“ ohne Wettbewerbsverfahren eine institutionelle finanzielle Unterstützung. Diese wurde 2020 durch die Verordnung des Ministerkabinetts Nr. 166 (auf Ukrainisch) „Einige Fragen der Gewährung finanzieller Unterstützung für zivilgesellschaftliche Vereinigungen von Menschen mit Behinderungen“ abgeschafft, und die finanzielle Unterstützung zivilgesellschaftlicher Organisationen von Menschen mit Behinderungen wurde auf ein Wettbewerbsverfahren umgestellt (Gutachten der Nationalen Agentur für Korruptionsprävention (NAZK)).

Einerseits hat dies für alle zivilgesellschaftlichen Organisationen gleiche Bedingungen beim Zugang zu Finanzierung geschaffen. Andererseits betont ein Teil der Anbieter, dass Organisationen, die spezialisierte Leistungen für verschiedene Arten funktioneller Beeinträchtigungen erbringen, dadurch in den Gemeinden miteinander um Finanzierung konkurrieren müssen, obwohl jede Gruppe eine stabile spezialisierte Unterstützung benötigt. Das Fehlen stabiler Arbeitsplätze kann zudem dazu führen, dass das Interesse junger Studierender sinkt, diese Fachrichtung als Beruf zu wählen.

Der Staat veranstaltet einen Wettbewerb zwischen Organisationen mit verschiedenen nosologischen Gruppen um ein und dieselben Mittel. Wozu das gemacht wurde, ist nicht klar.

Eine mögliche Lösung für dieses Problem in den Gemeinden ist die Gründung kommunaler Rehabilitationseinrichtungen. Derzeit gibt es in der Ukraine eine einzige kommunale Einrichtung auf Gemeindeebene – die Kyjiwer kommunale Rehabilitationseinrichtung „Kyjiwer städtisches Zentrum für Blinde“. Ein Hindernis für den Zugang zu Einrichtungen dieser Art können geografische Beschränkungen nach dem gemeldeten Wohnort sein; zugleich kann die Schaffung solcher Zentren in der gesamten Ukraine die Kontinuität der Rehabilitationsleistungen sicherstellen. Zu solchen Zentren können insbesondere Förderschulen und Bildungs- und Rehabilitationseinrichtungen werden, nachdem sie Fortbildungskurse absolviert haben, um ihre Leistungen nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene zu erweitern. Eine Alternative ist die Einführung eng gefasster Förderwettbewerbe für die häufigsten Nosologien, insbesondere für den Bereich Sehen.

Im Rahmen des Projekts befragte das Team Fachkräfte von 6 Förderschulen in Kyjiw, Lwiw, Odesa, Kamjanez-Podilskyj, Slowjansk (Oblast Donezk, derzeit im Online-Format) und im Dorf Wyhoda (Oblast Iwano-Frankiwsk). Die Förderschule in Kamjanez-Podilskyj nimmt bereits an einem Pilotprojekt des Ministeriums für Veteranenangelegenheiten teil und ist bereit, Leistungen für Veteraninnen und Veteranen zu erbringen. Auch die anderen Schulen bestätigten, dass sie außerhalb des Unterrichts bereits Erfahrung mit blinden Veteraninnen und Veteranen haben, die sich individuell mit der Bitte um Hilfe an sie gewandt hatten.

Mangel an Fachkräften, Qualitätskontrolle und standardisierter Zertifizierung

Eine weitere von den Anbietern genannte Herausforderung ist ein erheblicher Mangel an qualifizierten Fachkräften, die Leistungen für Menschen mit Sehbehinderung erbringen. Dies führt zu Lücken im Leistungsangebot und macht eine Skalierung unmöglich. Die Kriegslage verschärft das Problem, da ein Teil der Fachkräfte weiterhin ins Ausland abwandert. In der Folge steigt die Belastung der verbliebenen Fachkräfte, was zu psychischer Erschöpfung und zum Wechsel in andere Bereiche führen kann.

Das Team reicht nicht aus. Wir arbeiten daran, eine vollwertige Abteilung aufzubauen.

Ein großer Teil der Leute ist ins Ausland gegangen. Deshalb ist das Problem mit dem Personal ziemlich häufig. Na ja, und wie die Gehälter im öffentlichen Sektor sind, verstehen Sie ja selbst.

Historisch führte in sowjetischer Zeit der Ukrainische Blindenverband als Monopolist Rehabilitationsmaßnahmen für blinde Menschen durch, und zwar im Rahmen der Vorbereitung auf die Arbeit in Betrieben, in denen über 50 % der Beschäftigten blinde und sehbehinderte Menschen waren. Alle Oblast-Organisationen des Ukrainischen Blindenverbands teilten mit, dass sie derzeit aufgrund fehlender staatlicher Finanzierung keine professionellen Rehabilitationsleistungen erbringen. Zugleich veranstaltet das Rehabilitationszentrum des Ukrainischen Blindenverbands in Kyjiw manchmal Rehabilitationscamps für Veteraninnen und Veteranen, wenn Mittel von Gebern verfügbar werden.

In der Sowjetunion hatten wir 83 Werke und Betriebe. Wir haben nach Plan im Rahmen des Staatsauftrags produziert. Nach dem Übergang zum „Markt“ haben viele geschlossen. Jetzt sind noch 53 Betriebe übrig.

Im medizinischen Bereich wird das Problem dadurch verschärft, dass das Thema Rehabilitation blinder Menschen in den Studienprogrammen der Universitäten, die Fachkräfte für Ergotherapie, Physiotherapie und Soziale Arbeit ausbilden, vollständig fehlt, wobei einzelne Universitäten bereits begonnen haben, ihre Programme anzupassen.

Die einzige systematische Quelle für Fachkräfte sind Universitätsprogramme in den Fachrichtungen „Typhlopädagogik“ (Blinden- und Sehbehindertenpädagogik) / „Defektologie“. Alle in der Ukraine tätigen Dozierenden von Fortbildungskursen sowohl für Fachkräfte der Ergotherapie als auch der Typhlopädagogik sind Menschen mit einem einschlägigen Abschluss in „Typhlopädagogik“. Dieses Thema wurde in der Studie zur Analyse der Situation von Menschen mit Sehbehinderung (T. Hrebenjuk, 2023) behandelt. Ihr zufolge herrscht in der Ukraine ein akuter Mangel an Fachkräften für die Rehabilitation erwachsener Menschen mit Sehbehinderung; insbesondere fehlt die Ausbildung von Rehabilitationslehrkräften sowie von Fachkräften für Orientierung und Mobilität.

Zugleich werden Fachkräfte, die bereits im Gesundheits- und Sozialwesen tätig sind, nicht für die Arbeit mit Menschen mit Sehbehinderung geschult. Das kann dazu führen, dass in Krankenhäusern keine oder nur mangelhafte Leistungen angeboten werden.

Bei uns im Land gibt es leider nichts Klares, wo man das lernen kann.

Fachleute mit Diplomen, aber ohne Wissen – das ist unser tiefstes Problem.

Dieses Problem betrifft auch Fachkräfte der Psychologie und Psychotherapie. Psychologische Barrieren gehören zu den am häufigsten genannten Herausforderungen, da sie alle Phasen beeinflussen: die Bereitschaft, eine Rehabilitation zu durchlaufen, das Erlernen von Fertigkeiten und die Adaptation in den Gemeinden. Die Anbieter betonen die Notwendigkeit, die Ausbildungsprogramme aller Fachkräfte zu überarbeiten, die in das Rehabilitationssystem für Menschen mit Sehbehinderung eingebunden sind.

Fortbildungskurse für Fachkräfte bieten derzeit unter anderem die Ukrainische Staatliche M.-P.-Drahomanow-Universität, das Staatliche Rehabilitationszentrum „Podillja“, die gesamtukrainische zivilgesellschaftliche Vereinigung „Moderner Blick“, die NGO „Trinity hub“ und die Wohltätigkeitsstiftung „Stiftung 03:00“ an. Die Erfahrung der Fachleute dieser Organisationen kann in die Entwicklung neuer Bestandteile von Studienprogrammen an Hochschulen einfließen.

Vermittlung fehlerhafter Informationen zur Rehabilitation bei Sehverlust beim Erstkontakt in Krankenhäusern

Die Anbieter berichteten, dass sich die von ihnen betreuten Menschen darüber beklagen, dass Fachkräfte in der Behandlungsphase nicht über die Möglichkeiten einer anschließenden Rehabilitation informiert sind. Ärztinnen und Ärzte verbreiten mitunter falsche Informationen über die Möglichkeit, das Sehvermögen mithilfe neuester Technologien der Hirnimplantation wiederherzustellen, und berichten dabei von nicht abgeschlossenen Forschungsarbeiten. Infolgedessen können blinde Menschen eine falsche Vorstellung von den Aussichten der Rehabilitation und Behandlung bekommen. Der Mangel an notwendigen Informationen führt zu einer erheblichen Verzögerung beim Erhalt von Leistungen und wirkt sich auf die psychische Verfassung, den Grad der Selbstständigkeit und die Motivation aus.

Sie wissen nicht, wohin sie sich wenden sollen, wie der weitere Prozess ablaufen soll und was das Endergebnis ist. Das heißt, so einen Weg für einen Menschen, der sein Sehvermögen verloren hat, der im Rehabilitationsplan festgeschrieben und ausformuliert ist, gibt es für die Menschen nicht, es ist schwer für sie, diese Information zu bekommen.

Fehlende oder verzögerte spezialisierte Unterstützung in der akuten Phase nach der Verletzung kann zudem das Risiko erhöhen, dass eine vollständige Abhängigkeit von anderen entsteht, und die Wahrscheinlichkeit von Verletzungen bei der Fortbewegung steigern. Ein Mensch kann sich an gefährliche oder ineffiziente Arten der Fortbewegung gewöhnen, was das spätere Orientierungstraining mit dem Langstock erschwert.

Und sie gehen so, wie sie es sich angewöhnt haben, und das ist schlecht. Umlernen ist sehr schwer, weil sie sich schon irgendwie auf ihre eigene Art angepasst haben, und fertig.

Deshalb betont ein Teil der Anbieter die Notwendigkeit einer „Erstkontakt-Leistung“, also der Unterstützung und Beratung von Menschen mit Sehbehinderung bereits in der frühen Behandlungsphase.

Je früher du reingehst und je früher du anfängst, alle Möglichkeiten, alle Perspektiven zu zeigen, und sie zum Beispiel nach dem Prinzip „von Betroffenen für Betroffene“ mit denselben Zivilisten bekannt machst, blinden, selbstständigen, rehabilitierten, mit Militärangehörigen, die ihre Rehabilitation schon hinter sich haben, desto besser. Das ist wirklich besser.

In der ersten Phase gibt es diesen Koordinator nicht, der im Krankenhaus diese Information geben könnte... Jetzt arbeiten bei uns in den Krankenhäusern Fachkräfte für die Begleitung von Veteranen, aber auch sie wissen nichts über blinde Menschen, deshalb muss man sie schulen.

Diese Beratungsarbeit sollte auch mit der Familie geleistet werden, da sie nicht nur eine Quelle starker Unterstützung sein kann, sondern auch ein Faktor, der die Rehabilitation bremst. Das Problem der Überbehütung und der Vorurteile in der Familie war das am zweithäufigsten diskutierte Thema unter den Anbietern professioneller Rehabilitationsleistungen.

Das Problem, warum sich ein Mensch nicht orientiert, ist der Einfluss der Familie. Die geben einem nicht die Möglichkeit, selbstständig zu sein. Die Leute wissen es nicht, die Leute haben Angst. Na ja, sehr oft fängt ein Mensch nicht an, mit dem Langstock zu gehen, weil die Familie aus irgendwelchen Gründen dagegen ist.

Fehlende Unterstützung in den Gemeinden und fehlender Weg zur beruflichen Adaptation

Die Anbieter betonten das Problem der Beschäftigung als eines der kritischen Hindernisse für eine umfassende Adaptation von Menschen mit vollständigem und teilweisem Sehverlust. Die fehlende aktive Arbeit mit den Gemeinden verringert das Wissen über berufliche Möglichkeiten – sowohl bei der betroffenen Person selbst als auch bei Unternehmen, Bildungseinrichtungen und im zivilgesellschaftlichen Sektor.

Sie fangen an, an sich zu glauben, aber wo sollen sie arbeiten gehen? Sehr wenige Möglichkeiten. Und meistens, sehe ich, fangen sie an zu überlegen, wie sie sich selbstständig machen könnten.

Schwieriger ist die Lage für Menschen, die im ländlichen Raum leben oder nur über eine Sekundarschulbildung verfügen, was die Beschäftigungsmöglichkeiten einschränkt und das Risiko sozialer Isolation erhöht:

Im Dorf ist es jetzt sehr schwer, Arbeit zu finden und sich mit wenigstens irgendeinem Unternehmen zu einigen, dass es diesen Menschen einstellt.

Die Anbieter weisen auf das Fehlen eines staatlichen Plans zur Unterstützung bei der Arbeitsaufnahme sowie einer koordinierten Arbeit mit Gemeinden und Unternehmen hin.

Und ohne eine klare staatliche Strategie holen wir diese Menschen nie von zu Hause in die Arbeit. Der Arbeitsmarkt macht das nicht von selbst, die Menschen machen das nicht von selbst. Das kann nur eine klare staatliche Politik zur Integration blinder Menschen in den Arbeitsmarkt leisten.

Derzeit befassen sich verschiedene Anbieter mit Fragen der Beschäftigung; sie bieten unter anderem zusätzliche Schulungen in Töpferei, Massage oder zur vertieften Beherrschung adaptiver Programme für die Arbeit am Computer an. So bietet beispielsweise die NGO „Praxis innovativer Erfahrung“ Fernunterricht im Programmieren für blinde Menschen an, und die Wohltätigkeitsstiftung „Stiftung 03:00“ hat ein Projekt zur Beschäftigung blinder Menschen als Baristas durchgeführt.

Räumliche Barrieren in den Gemeinden und fehlendes inklusives Design

Als eine der Herausforderungen nennen die Anbieter physische räumliche Barrieren in den Gemeinden sowie die fehlende Universalität des Designs öffentlicher Räume, von Haushaltswaren und von Medikamenten. Taktile Bodenindikatoren, Beschriftungen und Schilder in öffentlichen Räumen oder Medikamente mit Brailleschrift sind zwar vorhanden, aber oft praktisch unbrauchbar. Zudem ignorieren Bauunternehmen die staatlichen Baunormen (DBN) zur Kontrastgestaltung, die für eine sichere Orientierung von Menschen mit Sehrest notwendig ist.

Was die Barrierefreiheit für blinde Menschen angeht, Schilder und alles andere, das ist eine Farce. Sehr viel ist fehlerhaft in Brailleschrift gedruckt, in falscher Größe, spiegelverkehrt gedruckt, Wörter fehlen, Buchstaben fehlen, es befindet sich an der falschen Stelle. […] Und wenn man dann tatsächlich anfängt zu lesen, steht da Kauderwelsch.

Zum Beispiel stellen sie genau solche Poller mitten auf den Gehweg. Laut Norm sind sie grau, genau in derselben Farbe wie die Platten, ein Mensch mit Sehbehinderung kann sie nicht sehen.

Die Anbieter weisen darauf hin, dass zur Überwindung dieses Problems Menschen mit Sehbehinderung sowohl bei der Erörterung von Baunormen als auch bei der Genehmigung von Bauvorhaben einbezogen werden müssen, um diese aktiv zu testen und zu überprüfen.

Man muss die taktilen Platten mit dem Fuß spüren können. Man muss die taktilen Platten mit dem Stock spüren können. Aber so ist es nicht immer.

Ähnliche Probleme gibt es im Bereich der digitalen Barrierefreiheit, wo staatliche Websites nicht immer an die Bedürfnisse von Menschen mit Sehbehinderung angepasst sind:

Also, genau diese Website „Barrierefreie Stadt“ ist für blinde Menschen nicht barrierefrei. Wenn also ein Mensch mit Sehbehinderung melden möchte, dass dort etwas nicht barrierefrei ist, kann er das nicht tun, weil die Website selbst für ihn nicht barrierefrei ist.

Die Anbieter betonen, wie wichtig es ist, Menschen mit Sehbehinderung und Fachleute in die Entwicklung und Erprobung von Mitteln der Barrierefreiheit einzubeziehen sowie das Monitoring und die Qualitätsbewertung zu verstärken.

Schlussfolgerungen

  1. Der Bedarf an Rehabilitationsleistungen steigt. Die Daten des elektronischen Gesundheitssystems (eHealth) für 2021–2024 zeigen, dass im Vergleich zu 2021 der Anteil der Menschen, bei denen erstmals ein vollständiger Sehverlust diagnostiziert wurde, auf das Anderthalbfache gestiegen ist, bei teilweisem Sehverlust nahezu auf das Doppelte. Dies erhöht die Belastung des Rehabilitationssystems und der angrenzenden Dienste.
  2. Die staatliche Statistik ist fragmentiert und vermittelt kein Gesamtbild. Formal soll die Zentrale Datenbank zu Behinderungsfragen die Erfassung übernehmen, in der Praxis werden jedoch keine vollständigen und für die Analyse geeigneten Daten bereitgestellt. Die vollständigste Quelle war der Datenauszug aus dem elektronischen Gesundheitssystem (eHealth) nach den relevanten ICD-Codes.
  3. Der Rechtsrahmen zersplittert die Verantwortung und fragmentiert den Versorgungsweg der Betroffenen. Die Zuständigkeiten und die Auslegungen von „Rehabilitation“ sind zwischen dem Gesundheitsministerium der Ukraine, dem Ministerium für Sozialpolitik, dem Ministerium für Veteranenangelegenheiten und dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft aufgeteilt. Ein und dieselben Leistungen können je nach Ressortzugehörigkeit der Einrichtung „umdefiniert“ werden, was die Brüche zwischen den Phasen der Hilfe verstärkt.
  4. Der Sektor der zivilgesellschaftlichen Organisationen und Wohltätigkeitsorganisationen ist kaum geregelt. Die frühere Rolle des Ukrainischen Blindenverbands als institutioneller Leistungserbringer ging im Zuge der Deinstitutionalisierung verloren, es wurden jedoch keine systematischen Programme zur Förderung von Rehabilitationsleistungen für blinde Menschen auf Grundlage europäischer Standards geschaffen.
  5. Finanzielle Instabilität ist ein grundlegendes Hindernis für die Kontinuität der Leistungen in den Gemeinden. Die Abhängigkeit von Fördermitteln, die eingeschränkten Zielgruppen der Finanzierung und die erzwungene Abhängigkeit von ehrenamtlicher Arbeit führen zu ungleichem Zugang, zum Risiko der Einstellung von Leistungen und zu schwankender Qualität. Ein zusätzliches Hindernis ist die schwache materiell-technische Ausstattung (Räumlichkeiten, Heizung, Schutzräume, barrierefreie Eingänge).
  6. Der Fachkräftemangel und das Fehlen standardisierter Ausbildung und Zertifizierung begrenzen die Skalierung. Der Mangel an Fachkräften, die Abwanderung von Personal, die niedrige Bezahlung im öffentlichen Sektor und Lücken in den Universitätsprogrammen erhöhen die Belastung der bestehenden Teams und das Risiko von Burn-out.
  7. Das Fehlen korrekter Informationen beim Erstkontakt im Krankenhaus sowie von Rehabilitationsmaßnahmen für das Sehen in den individuellen Rehabilitationsplänen verzögert den Beginn der Rehabilitation, weckt falsche Erwartungen, erschwert das Umlernen von Mobilitätsfertigkeiten und erhöht das Risiko der Abhängigkeit vom Umfeld sowie von Verletzungen. Ein gesonderter Faktor ist der Einfluss der Familie (Überbehütung, Vorurteile).
  8. Schwache Unterstützung in den Gemeinden, insbesondere bei der Arbeitsaufnahme, erschwert die Reintegration. Es fehlt an einer koordinierten Politik und an praktischen Mechanismen der Begleitung in den Arbeitsmarkt, insbesondere für Menschen im ländlichen Raum und mit niedrigerem Bildungsniveau.
  9. Physische und digitale Barrierefreiheit in den Gemeinden hat formalen Charakter. Taktile Elemente, Kennzeichnungen in Brailleschrift, Kontraste sowie staatliche digitale Dienste entsprechen häufig nicht den tatsächlichen Bedürfnissen. Notwendig sind die Einbeziehung von Menschen mit Sehbehinderung in die Planung und Erprobung von Lösungen sowie eine stärkere Qualitätskontrolle.

Gesamtfazit

Um die Wirksamkeit der Rehabilitation zu erhöhen, ist ein ganzheitliches Modell des Weges „Krankenhaus → spezialisierte Rehabilitation → Unterstützung in der Gemeinde“ erforderlich, das durch Daten, eine standardisierte Ausbildung von Fachkräften, nachhaltige Finanzierungsmechanismen und eine Qualitätskontrolle der Barrierefreiheit gestützt wird.

Die Rechtsänderungen des Jahres 2025, insbesondere der Entwurf eines stufenweisen Modells von Adaptationsleistungen für Veteraninnen und Veteranen und die Möglichkeit, Fachkräfte von Bildungseinrichtungen in die Rehabilitation einzubeziehen, erweitern potenziell den Kreis der Anbieter und ermöglichen einen früheren Beginn der Unterstützung. Ohne gemeinsame Kompetenzstandards, Mindestanforderungen an die Qualität und einen verständlichen Weg für die Leistungsempfangenden können diese Instrumente jedoch ungleichmäßig wirken und die systemischen Brüche nicht beseitigen.

Anhang 1. Alle im Rahmen der Studie genannten Herausforderungen

Ebene der Leistungsempfangenden — 16 Herausforderungen
ThemaHerausforderung
Zugang und LogistikTransport und physischer Zugang zu Leistungen; kein Sozialtaxi
Zugang und LogistikNiemand, der die Person physisch begleitet
Zugang und LogistikFehlende Barrierefreiheit für blinde Menschen, was sowohl das Orientierungstraining als auch die Orientierung selbst erschwert
Sicherheit der MobilitätGefährlicher „Alleinstart“ ohne Training
Information / OrientierungInformationen über Rehabilitation sind nicht zugänglich, besonders am Anfang des Weges
Psychische AnpassungPTBS / Schlafstörungen / Verlust des Lebenssinns
Psychische AnpassungAkzeptanz des Langstocks / neuer Formen der Selbstständigkeit
Reaktionen des UmfeldsGleichgültigkeit oder Überbehütung
Reaktionen des UmfeldsGeringes Wissen der Gesellschaft über Menschen mit Sehbehinderung und den Umgang mit ihnen
Digitale KompetenzenDigitale Ungleichheit (Alter / Sehrest)
Unterstützung nach der RehabilitationKeine Unterstützung nach Ende eines Intensivprogramms
Regionaler KontextUngleicher Zugang in kleinen Gemeinden
Ungleicher ZugangUnterschiedlicher Zugang für Veteranen und Zivilpersonen
VerwaltungshürdenBürokratie als Zugangshürde
HilfsmittelZuzahlungen wegen niedriger Erstattungen
Bildung / ArbeitSchwache Brücke zu Ausbildung / Beschäftigung
Ebene der Anbieter — 17 Herausforderungen
ThemaHerausforderung
PersonalKritischer Mangel an Fachkräften für Orientierung und Mobilität (O&M) / Trainerinnen und Trainern
PersonalMangel an Fachkräften für assistive Technologien
PersonalKeine Optometristinnen und Optometristen / keine „Low Vision“-Komponente in Krankenhäusern
PersonalUnzureichende Methodenkenntnisse von Rehabilitationsfachkräften, besonders bei Verwundeten mit zusätzlichen Verletzungen (Amputationen, Hörverlust usw.)
Kenntnisstand der Klientinnen und KlientenUnterschiedlicher Rehabilitationsstand der Patientinnen und Patienten – in Gruppenprogrammen
KapazitätBegrenzte Stunden / Plätze / Kapazitäten der Programme
InfrastrukturSchlechter Zustand von Räumen / Ausstattung
Sicherheit / KriegsbedingungenMangel an Schutzräumen / Sicherheitslösungen
LogistikFehlender Transport / fehlende Begleitung bei den Anbietern
RegulierungLizenzierung medizinischer Komponenten
RegulierungStellenpläne / keine Möglichkeit, bestimmte Funktionen einzuführen
ZertifizierungLücke zwischen dem, was nötig ist, und dem, was laut Zertifikat „erlaubt“ ist
AbläufeSchwache interne Vernetzung in medizinischen Einrichtungen
FinanzenUnbeständige Finanzierung (Zuschüsse / kurze Zyklen)
LeistungsmodellEhrenamt als „Überlebensmodus“
FallbegleitungÜberlastung der Fallbegleitung durch Papierkram
BefugnisseUnzureichende Befugnisse der Fallbegleitung
Systemebene — 14 Herausforderungen
ThemaHerausforderung
Koordination / VersorgungswegKeine durchgängige Infrastruktur (zentrale Anlaufstelle)
Koordination / VersorgungswegKeine Protokolle und kein klarer Versorgungsweg (besonders für Veteranen)
InformationUnwirksame Kanäle für Erstinformation / Überweisung
Staatlicher RahmenKein staatliches Programm zur Rehabilitation bei Sehverlust
Daten und PlanungFehlende Statistiken / Daten zum Bedarf
Ausbildung von FachkräftenLücken in der Berufsausbildung (Inhalte, Standards, Rolle der „Garanten“)
Fortbildung„Chaotische“ Fortbildung, Abhängigkeit von Gebern
Rechtssprache„Blinde Flecken“ bei Begriffen / Standards
Barrierefreiheit (Qualität)Lücke zwischen Normen und Umsetzung
Barrierefreiheit von InformationenOffizielle Websites / Seiten sind für blinde Menschen nicht zugänglich
Regionale KapazitätenStarke Abhängigkeit von lokalen Führungspersonen / Ortsgruppen
Institutionelle BasisSchließung / Verkleinerung von Bildungseinrichtungen (Schulen / Ortsgruppen)
Finanzen: HilfsmittelUnverhältnismäßige Erstattung für Hilfsmittel
Finanzen: LeistungenUnzureichende Budgetierung der Fallbegleitung
Kontext (übergreifend) — 2 Herausforderungen
ThemaHerausforderung
Krieg / InfrastrukturBeschuss, Stromausfälle, Risiken in Grenzgebieten
Raum / UmgebungUnsichere und unzugängliche städtische / medizinische Umgebung

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